Für 25 Schüler des Gymnasiums Penzberg ging es diesen März vom Schulalltag für eine Woche ab in die „vida loca de España“. Dass dies eine neue, spaßige, abwechslungsreiche und lehrreiche Erfahrung sein würde, aber auch kulinarische sowie sprachliche Hürden bereithalten würde, war uns allen klar. Ganz so intensiv und beeindruckend wie es dann aber war, hatten wir es uns dann aber doch nicht ausgemalt.
Man konnte die Aufregung förmlich spüren, als wir vom Flughafen in Bilbao mit dem Bus nach Gijón fuhren. Langsam realisierten wir, dass es nun ernst werden würde: „Was, wenn mein Austauschpartner nicht nett ist?“, „Wie begrüßen sich Spanier nochmal?“, „Ne, also ich rede Englisch mit denen, sonst ist das ja wie eine Woche mündliche Schulaufgabe!“, waren nur einige der Bemerkungen, die im Bus fielen. Doch in dem Moment, als sich die Bustüren öffneten, verflog die Aufregung. Ausnahmslos jeder der spanischen Schüler war freundlich und begrüßte uns herzlich. Nachdem die Nervosität vor dem ersten Treffen endgültig verflogen war und wir auch die Eltern kennengelernt hatten, fuhren wir mit unseren Austauschpartnern erstmal nach Hause, um anzukommen. Zusammen mit unseren Austauschpartnern und deren Familien erkundeten wir alle die Stadt. Es wurden Restaurants, Cafés und Karaokeläden ausprobiert und im besten Fall genehmigte man sich abschließend noch einen großen Teller chocolate con churros.
Zu diesem Zeitpunkt kannten wir uns aber noch nicht wirklich, deshalb wurde der Sonntag dafür genutzt, sich in der Familie richtig einzuleben. Gijón und Asturien wurden angeschaut, manche sind an der Küste entlanggefahren und haben das ein oder andere Fischerdorf besucht. Ein Highlight war Cudillero, ein malerisches Fischerdorf, gelegen in einer kleinen Bucht, das einen Besuch absolut wert ist!
Aber wie schön das Wochenende auch immer war, der Alltag und die Schule holten uns auch in Spanien ein. Also ging es am Montag wieder ab in die Schule (aber zum Glück nur für die erste Stunde), und obwohl die Toilettenbenutzung gewöhnungsbedürftig war (man musste sich bei den Pförtnerinnen einen Schlüssel abholen, um die Toiletten benutzen zu dürfen, und wurde dabei auf einer Liste eingetragen) und die Gitter vor den Fenstern eher an ein Jugendgefängnis erinnerten, fühlten wir uns ziemlich wohl und willkommen.
Nach der ersten Stunde galt es aber erstmal Abschied zu nehmen, da wir zu unserem ersten Ausflug aufbrachen. Wir besuchten La Laboral Ciudad de la Cultura, einen Gebäudekomplex aus der Zeit Francos. La Laboral lässt sich am ehesten als ein „Schweizer Taschenmesser an Gebäuden“ beschreiben. Es enthält eine Universität, ein Theater, ein Museum, ein Restaurant, eine Kirche und man kann Räume für Hochzeiten buchen. Müde, aber mit neuem Wissen kehrten wir zu Schule zurück und hatten dann einen ganzen Nachmittag Freizeit mit unseren Austauschpartnern.
Wenn Asturien eines zu bieten hat, dann Serpentinen und Geschichte. Am Dienstag durften wir beides erleben. Wir besuchten zwei der ältesten Gebäude Spaniens: die präromanischen Kirchen San Miguel de Lillo und Santa María del Naranco, die ursprünglich als Palastgebäude genutzt wurde. Leider konnten einige von uns die Bauten schlecht genießen, weil uns von der kurvigen Fahrt etwas übel war.
Wenn wir schon bei der Geschichte sind, dann dürfen wir die Kirche nicht vergessen, die eine große Rolle in der spanischen Geschichte spielt. Eine der schönsten ihrer Art steht in Oviedo, der Hauptstadt Asturiens. Bei einem waren wir uns alle einig, egal ob müde oder ob uns noch übel war von der Fahrt: Die Kathedrale war atemberaubend. Anschließend hatten wir noch Zeit, Oviedo auf eigene Faust zu erkunden.
Der Mittwoch erwartete uns dann mit strömendem Regen, doch der Ausflug war umso spannender. Wir hatten eine Führung in einem Dinosauriermuseum gebucht, denn vor Millionen von Jahren durchstreiften Dinosaurier die Küstenregion Spaniens, und deren Fußspuren können noch heute am Strand entdeckt werden.
Den letzten Tag unserer Reise nutzen wir dazu, eine Ausstellung über das Leben der Bauern in Asturien zu besuchen. Im Freilichtmuseum in Gijón erfuhren wir, wie das Leben eines normalen Menschen früher aussah und auf welche Weise Ernten vor Mäusen geschützt wurden, nämlich in den so genannten hórreos, die charakteristischen Speicherbauten auf Pfählen. Wenn man an Spanien denkt, fällt einem zudem vieles ein – flamenco, tapas, Urlaub –, aber ein Dudelsack passt zuerst nicht so recht ins Bild, dabei handelt es sich dabei um ein typisch asturisches Instrument, wie wir durch die Ausstellung lernten.
Da dies auch unser letzter Tag war, bekamen wir noch etwas mehr Freizeit und nutzten diese auf bestmögliche Art – am Strand und einer gemeinsamen Merienda, dem typischen Nachmittagssnack mit allen deutschen und spanischen Schülerinnen und Schülern und deren Familien. Es war der perfekte Tag!
Am Freitagmorgen ging es für uns dann aber zum Treffpunkt, um von dort mit dem Bus zum Flughafen zurückzufahren, wobei das ein oder andere Auge feucht wurde. Als wir zurück in Deutschland waren, klagten fast alle darüber, dass sie Spanien vermissten.
Theo Göpfert





